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Das Gefecht bei ST. LUCIA am 6. Mai 1848

Die erste hervorragende und oft zitierte Leistung des italienischen Feldzuges 1848 erbrachte das Bataillon am 6. Mai 1848, als es in der Brigade STRASSOLDO[1] die Ortschaft ST. LUCIA[2] vor den Toren von VERONA gegen eine Übermacht der angreifenden piemontinischen Truppen hielt und ein Dorfgefecht (heute würde man dies „Kampf im urbanen Gelände“ nennen) welches lange Zeit als beispielhaft galt, lieferte.

Das Gefecht in ST. LUCIA in: STRACK J. Das Kopaldenkmal in ZNAIM
Darstellung des Gefechts bei ST. LUCIA in: STRACK J., Das Kopal-Denkmal in Znaim und das k.k. 10. Feld-Jäger-Bataillon von der Errichtung bis zur fünfzigjährigen Jubelfeier, WIEN 1864 - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Eintreffen in VERONA

Das Bataillon war am 12. April in VERONA eingetroffen und besetzte bis zum 15. April das FORT PROCOLO. Teile des Bataillons wurden in weiterer Folge zur Verstärkung des FORT PROCOLO und zu Aufklärungs- und Säuberungsaktionen bei LEGNANO herangezogen. Ab dem 25. April besetzte das Bataillon mit 2 Divisionen den Bereich CROCE BIANCO und mit einer Division ST. MASSIMO. Diese Bereiche waren bereits, so wie ST. LUCIA, Geländepunkte welche die Annäherungslinien der Piemontesischen Armee sperrten und gleichzeitig Versäumnisse im Ausbau der Festung VERONA ausgleichen sollten, da sich diese Positionen an überhöhten Geländekanten vor den Mauern befanden, welche die Bewegungsfreiheit in und um die Festung behindert hätten. Nach dem Feldzug 1848 wurden entlang dieser Linien Vorwerke errichtet (Innerer Kreis), welche im Laufe der Jahre bis 1860 noch weiter vorgeschoben wurden (Zweiter Kreis).

Ab dem 30. April war das Bataillon mit der Brigade STRASSOLDO schliesslich in ST. LUCIA positioniert. Der Bereich um den Pfarrhof und den Friedhof war pioniertechnisch verstärkt worden und eine verschanzte Batterie sicherte die Strasse nach SOMMA CAMPAGNA.

Das Gefecht am 6. Mai 1848

Am 6. Mai um 0830 hatten die Vorposten ersten Feindkontakt und die piemontesische Armee rückte in weitem Bogen angelehnt an die Strassen von VILLAFRANCA, SOMMA CAMPAGNA, SONA und CASTELNUOVO konzentrisch gegen die Position des Bataillons vor.

Das Gefecht in ST. LUCIA in:  ROST A. Geschichte des k.u.k. FJB-Kopal Nr.10 1914-1918
Skizze des Gefechts bei ST. LUCIA in: ROST Alfred, Geschichte des k.u.k. Feldjägerbataillons-Kopal Nr.10 1914-1918, WIEN 1937; Beilage 1 S 7- Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Dreieinhalb Stunden lang hielt das Bataillon die Angriffe des Schwergewichts der piemontesischen Armee ab und zog sich erst, nachdem die rechte Flanke der Brigade durch ein Umgehungsmanöver des Gegners bedroht wurde, an den Rand der Geländekante gegen VERONA zurück. Um 1400 trafen Verstärkungen aus VERONA ein und ST. LUCIA wurde zurückerobert.

„Feldmarschall Graf Radetzky sagt in seinem Berichte vom 9. Mai 1848: "Besonders hatte das 10. Jägerbataillon unter seinem braven Oberst K. die schwierigste Aufgabe, indem es jenen Theil des Dorfes vertheidigte, gegen welchen der Feind seine ganze Kraft entfaltete. Eine Compagnie dieses Bataillons, im Kirchhofe postirt, schlug drei heftige Stürme der piemontesischen Gardegrenadiere ab." Als am Tage nach der Schlacht der Marschall St. Lucia besuchte, umarmte er den Oberst K. und sprach ihm seine Anerkennung aus; das Ritterkreuz des Leopoldordens war das Dankeszeichen seines Kaisers für jenen glorreichen Tag.“[3]

Bedeutung des Gefechts bei ST. LUCIA/VERONA aus österreichischer Sicht

Mit dem Abwehrerfolg der Österreicher bei VERONA am 6. Mai (wobei neben ST. LUCIA auch schwere Gefecht bei CROCE BIANCO und SAN MASSIMO stattfanden) konnte die österreichische Armee erstmals seit dem Ausbruch der Unruhen und dem Einmarsch der piemontesischen Armee in die österreichischen Länder einen Sieg verzeichnen. Gleichzeitig stellte das Gefecht bei ST. LUCIA die Feuerprobe des Erzherzogs und späteren Kaisers Franz Joseph dar, womit das 10. Jägerbataillon und sein Kommandant Karl v. KOPAL erstmals direkt unter den Augen des späteren "Allerhöchsten Kriegsherren" tätig wurde und mit seiner Leistung die Basis für die spätere Glorifizierung Radetzky´s und der Kopaljäger legte.

6. Mai 1848, Feuertaufe Erzherzog Franz Joseph´s bei ST. LUCIA, Foto HGM InventarNr. 1950-15-BI2829_2
Feuertaufe Erzherzog Franz Joseph´s bei ST. LUCIA/VERONA am 6. Mai 1848, Gemäldebestand des HGM, Inv.Nr.1950-15-BI2829 2 - Beim Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster mit einer grösseren Darstellung des Bildes!

Bedeutung des Gefechts bei ST. LUCIA/VERONA aus italienischer Sicht

Grundsätzlich ist sowohl in der zeitgenössischen italienischen Literatur des 19. Jahrhunderts als auch in der heutigen italienischen Literatur die Beurteilung sämtlicher Schlachten der piemontesischen Armee des Feldzuges 1848 gekennzeichnet von siegreichen Gefechten und Schlachten, deren Erfolg lediglich durch die Unfähigkeit einzelner militärischer Führer geschmälert wurde. So werden vor allem in der älteren Literatur die "verschenkten Siege" bei VERONA dem Heerführer und König Karl Albert und mehreren seiner hohen Offiziere angelastet. Aus heutiger Sicht muß jedoch berücksichtigt werden, dass der Angriff auf das stark befestigte VERONA unter dem Kalkül der Erhebung der Bürger VERONA´s im Rücken der österreichischen Armee stattfand und der Rückzug der piemontesischen Armee vor allem dem Nichteintreten dieser Erhebung sowie den zugeführten österreichischen Reserven zuzuschreiben ist. Die Verluste dieses Tages betrugen auf piemontesischer Seite ca. 98 Tote und 659 Verwundete, bevor gegen 1800 die ursprüngliche Position bei SOMMA CAMPAGNA wieder bezogen war.

Nach den Erfolgen bei ST. LUCIA kämpfte das Jägerbataillon Nr. 10 aber auch in den folgenden Tagen im Rahmen des Flankenmarsches der österreichischen Armee nach MANTUA bei der Schlacht bei CURTATONE und MONTANARA am 29. Mai und bei GOITO (2) am 30. Mai[4], bevor es Anfang Juni zum Sturm auf VICENZA kam.

 

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